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Häfen für die Ewigkeit


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Rezension von

Adrian Witt

Häfen für die Ewigkeit Italien gilt als die Wiege der römischen Kultur – zu Recht, wie die zahlreichen antiken Stätten noch heute beweisen. Doch erst beim Flug über die italienische Halbinsel wird deutlich, dass die Römer nicht nur Tempelanlagen und Amphitheater errichtet haben. Sie schufen auch zahlreiche anderer Bauwerke, die so monumental waren, dass sie das Gesicht des Landes nachhaltig veränderten. Ab dem 5. Jahrhundert vor Christus betrieb Rom, damals noch kein Imperium, eine systematische Expansionspolitik, die schließlich im 3. Jahrhundert vor Christus mit der Kontrolle über die gesamte italienische Halbinsel vorerst ihren Abschluss fand. Im Zuge dieser Entwicklung gerieten neben den Etruskern und einigen anderen zur damaligen Zeit in Italien beheimateten Volksgruppen, wie den Ligurer, Latiner oder Picener, auch viele griechischen Stadtstaaten unter den Einfluss Roms. Doch von all diesen Völkern sind die Etrusker zweifellos am engsten mit dem Schicksal der Römer verbunden. So entwickelten beide Völker nicht nur ähnliche verwaltungsorganisatorische Institutionen, sondern haben sich auch gegenseitig in ihrer Kultur und Baukunst beeinflusst. Während unser Wissen über die Etrusker, die in den lateinischen Texten kaum eine Erwähnung finden, jedoch hauptsächlich von den Spuren stammen, die sie in der italienischen Erde hinterlassen haben und die wir heute Dank der Archäologie lesen können, sind die Spuren der Römer noch heute vielerorts allgegenwärtig. Denn die Römer waren nicht nur erfolgreiche Feldherren, sondern auch große Baumeister und Ingenieure. Wo sie hinkamen, errichteten sie zur Kontrolle der von ihnen eroberten Territorien und zur Erschließung der dortigen Ressourcen eindrucksvolle Bauwerke, wie den mehr als fünf Kilometer langen Tunnel beim Fuciner See oder ein gewaltiges Straßennetz, das den Warentransport erleichtern sollte. Doch im Zuge des immer größer werdenden Reiches, galt es mit Rom eine Metropole zu versorgen, die eine zur damaligen Zeit unvorstellbare Größe von mehr als einer Millionen Einwohner erreichte. Um dies zu bewerkstelligen nutzen die Römer für den Warentransport neben vielen Wasserwegen auch eine Reihe von Seehäfen, von denen Ostia Antica, die womöglich im 4. Jahrhundert vor Christus als Hafenstadt errichtet wurde, und der unter Kaiser Claudius im Jahr 42 nach Christus errichtete Portus Romae die bedeutendsten Häfen Roms waren. Ihnen und vielen anderen antiken Häfen, wie Alexandria in Ägypten oder Leptis Magna im heutigen Libyen, ist der erst kürzlich im wbg Philipp von Zabern Verlag erschienene Bildband „Häfen für die Ewigkeit“ der beiden französischen Autoren Gérard Coulon und Jean-Claude Golvin gewidmet. In diesem, das sich an die beiden vorangegangenen Publikationen „Metropolen der Antike“ (2019) und „Die Architekten des Imperiums“ (2020) anschließt, die ebenfalls im wbg Philipp von Zabern Verlag erschienen sind, stehen die römischen Hafenanlagen der Antike im Mittelpunkt: Von der Wahl der Standorte und ihrer Erschließung mit der für den Betrieb notwendigen Infrastruktur wie den Molen, Kais und Wellenbrechern, die am und im Meer praktikablen Bautechniken und schließlich auch die vielen unterschiedlichen Gebäude und Anlagen, die ein reibungsloses Funktionieren der Häfen einst sicherstellen sollten. Hierzu zählen etwa Leuchttürme und Schiffswerften, Hellingen und Lagerhäuser sowie eine ganze Reihe von Prunkbauten. Doch auch der ständige Kampf gegen die Versandung und Verschlammung der Hafenbecken fiel in die Zuständigkeit der römischen Wasserbauingenieure, die mit ausgeklügelten Bautechniken und einer ganzen Reihe von technischen Hilfsmitteln sich mit den großen Handelshäfen ihrer Zeit überall rund ums Mittelmeer zahlreiche Denkmäler errichteten, die bis heute in weiten Teilen erhalten geblieben sind. Nach einleitenden Worten, die auch auf Häfen als Teil der historischen Forschung und der antiken Ingenieurskunst, mit ihrer Befähigung im oder am Meer zu bauen, ausführlich Bezug nimmt, stehen zu Beginn des Bildbandes insbesondere die großen technischen Herausforderungen im Fokus. Hierzu zählt die Suche nach einem geeigneten Standort für einen Hafen bzw. einer Hafenstadt und der Schutz dieser Anlagen, die Errichtung von Gebäuden und Anlagen im Wasser, die Erfindung der für den Bau notwendigen Techniken und Maschinen sowie die Darstellung einer der ersten Bauschritte: die Entwässerung von Baugruben. So erhalten die Leser mit Hilfe der farblichen Illustrationen von Jean-Claude Golvin einen sehr guten Eindruck davon, dass die Römer bereits vor über 2000 Jahren mehrere Wege kannten, um mit Hilfe von Senkkästen und Entwässerungslösungen Gebäude im oder am Wasser zu errichten. Wegweisend für diese technische Meisterleistung war hier vor allem die Erfindung des Unterwasserbetons, auf den im ersten Kapitel zum Thema „Bau eines Hafens“ ausführlich eingegangen wird. Dabei wird neben der Planung und der Vorbereitung für den Bau einer Hafenanlage auch mehrere bekannte Häfen der Antike, wie das von Alexander dem Großen gegründete Alexandria in Ägypten, Caesarea Maritima im heutigen Israel und Narbo Martius in Südfrankreich, beleuchtet. Im zweiten und dritten Kapitel, die sich dem Kampf gegen die Versandung und den Gezeitenkräften des Meeres widmen, spielen die Umwelteinflüsse von Wind und Wasser eine besondere Rolle. So war es bereits in der Antike notwendig, die vielen Hafenbecken regelmäßig von den Sedimenten zu befreien sowie Wellenbrecher und Mole, eine als Damm in das Meer ragende Aufschüttung, zu errichten, um die Hafenanlagen vor Flutwellen und Überschwemmungen zu schützen. Dem schließen sich auch die nachfolgenden Kapitel an, wobei in diesen im Einzelnen auf die verschiedenen Bautechniken bei der Errichtung von Kais, Lagerhäusern, Leuchttürme, Schiffswerften und Hellingen näher eingegangen wird. Zwei abschließende Kapitel, in denen außergewöhnliche Hafenkomplexe wie der Hafen von Leptis Magna (Libyen) und die gewaltige Hafenanlage von Portus Ostia (Italien) sowie ungewöhnliche Missionen der römischen Kriegsmarine im Fokus stehen, runden den gleichzeitig informativ und bildgewaltig gestalteten Bildband ab. Nach den beiden vorherigen Publikationen „Metropolen der Antike“ (2019) und „Die Architekten des Imperiums“ (2020) ist mit „Häfen für die Ewigkeit“ ein weiter beeindruckender Bildband im wbg Philipp von Zabern Verlag erschienen, dem sich nicht nur aktuelle Erkenntnisse der archäologischen Forschung zur maritimen Ingenieurskunst der Römer entnehmen lassen, sondern auch mit rund 124 farbigen Illustrationen die technischen Errungenschaften der Römer auf eine Weise veranschaulicht, die man vielleicht nur noch von den Publikationen vom Engländer David Macaulay kennt. Die Fülle an Informationen, die von den farbenprächtigen Illustrationen unterstützt und bereichert werden sowie die qualitativ sehr hochwertige Verarbeitung der Publikation als Hardcover machen den Bildband zu einem wertvollen Geschenk für all jene Leser, die sich für die Antike, die Architektur und vor allem für die maritime Ingenieurskunst interessieren.

Italien gilt als die Wiege der römischen Kultur – zu Recht, wie die zahlreichen antiken Stätten noch heute beweisen. Doch erst beim Flug über die italienische Halbinsel wird deutlich, dass die Römer nicht nur Tempelanlagen und Amphitheater errichtet haben. Sie schufen auch zahlreiche anderer Bauwerke, die so monumental waren, dass sie das Gesicht des Landes nachhaltig veränderten.

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Ab dem 5. Jahrhundert vor Christus betrieb Rom, damals noch kein Imperium, eine systematische Expansionspolitik, die schließlich im 3. Jahrhundert vor Christus mit der Kontrolle über die gesamte italienische Halbinsel vorerst ihren Abschluss fand. Im Zuge dieser Entwicklung gerieten neben den Etruskern und einigen anderen zur damaligen Zeit in Italien beheimateten Volksgruppen, wie den Ligurer, Latiner oder Picener, auch viele griechischen Stadtstaaten unter den Einfluss Roms. Doch von all diesen Völkern sind die Etrusker zweifellos am engsten mit dem Schicksal der Römer verbunden. So entwickelten beide Völker nicht nur ähnliche verwaltungsorganisatorische Institutionen, sondern haben sich auch gegenseitig in ihrer Kultur und Baukunst beeinflusst. Während unser Wissen über die Etrusker, die in den lateinischen Texten kaum eine Erwähnung finden, jedoch hauptsächlich von den Spuren stammen, die sie in der italienischen Erde hinterlassen haben und die wir heute Dank der Archäologie lesen können, sind die Spuren der Römer noch heute vielerorts allgegenwärtig. Denn die Römer waren nicht nur erfolgreiche Feldherren, sondern auch große Baumeister und Ingenieure. Wo sie hinkamen, errichteten sie zur Kontrolle der von ihnen eroberten Territorien und zur Erschließung der dortigen Ressourcen eindrucksvolle Bauwerke, wie den mehr als fünf Kilometer langen Tunnel beim Fuciner See oder ein gewaltiges Straßennetz, das den Warentransport erleichtern sollte. Doch im Zuge des immer größer werdenden Reiches, galt es mit Rom eine Metropole zu versorgen, die eine zur damaligen Zeit unvorstellbare Größe von mehr als einer Millionen Einwohner erreichte. Um dies zu bewerkstelligen nutzen die Römer für den Warentransport neben vielen Wasserwegen auch eine Reihe von Seehäfen, von denen Ostia Antica, die womöglich im 4. Jahrhundert vor Christus als Hafenstadt errichtet wurde, und der unter Kaiser Claudius im Jahr 42 nach Christus errichtete Portus Romae die bedeutendsten Häfen Roms waren.

Ihnen und vielen anderen antiken Häfen, wie Alexandria in Ägypten oder Leptis Magna im heutigen Libyen, ist der erst kürzlich im wbg Philipp von Zabern Verlag erschienene Bildband „Häfen für die Ewigkeit“ der beiden französischen Autoren Gérard Coulon und Jean-Claude Golvin gewidmet. In diesem, das sich an die beiden vorangegangenen Publikationen „Metropolen der Antike“ (2019) und „Die Architekten des Imperiums“ (2020) anschließt, die ebenfalls im wbg Philipp von Zabern Verlag erschienen sind, stehen die römischen Hafenanlagen der Antike im Mittelpunkt: Von der Wahl der Standorte und ihrer Erschließung mit der für den Betrieb notwendigen Infrastruktur wie den Molen, Kais und Wellenbrechern, die am und im Meer praktikablen Bautechniken und schließlich auch die vielen unterschiedlichen Gebäude und Anlagen, die ein reibungsloses Funktionieren der Häfen einst sicherstellen sollten. Hierzu zählen etwa Leuchttürme und Schiffswerften, Hellingen und Lagerhäuser sowie eine ganze Reihe von Prunkbauten. Doch auch der ständige Kampf gegen die Versandung und Verschlammung der Hafenbecken fiel in die Zuständigkeit der römischen Wasserbauingenieure, die mit ausgeklügelten Bautechniken und einer ganzen Reihe von technischen Hilfsmitteln sich mit den großen Handelshäfen ihrer Zeit überall rund ums Mittelmeer zahlreiche Denkmäler errichteten, die bis heute in weiten Teilen erhalten geblieben sind. Nach einleitenden Worten, die auch auf Häfen als Teil der historischen Forschung und der antiken Ingenieurskunst, mit ihrer Befähigung im oder am Meer zu bauen, ausführlich Bezug nimmt, stehen zu Beginn des Bildbandes insbesondere die großen technischen Herausforderungen im Fokus. Hierzu zählt die Suche nach einem geeigneten Standort für einen Hafen bzw. einer Hafenstadt und der Schutz dieser Anlagen, die Errichtung von Gebäuden und Anlagen im Wasser, die Erfindung der für den Bau notwendigen Techniken und Maschinen sowie die Darstellung einer der ersten Bauschritte: die Entwässerung von Baugruben. So erhalten die Leser mit Hilfe der farblichen Illustrationen von Jean-Claude Golvin einen sehr guten Eindruck davon, dass die Römer bereits vor über 2000 Jahren mehrere Wege kannten, um mit Hilfe von Senkkästen und Entwässerungslösungen Gebäude im oder am Wasser zu errichten. Wegweisend für diese technische Meisterleistung war hier vor allem die Erfindung des Unterwasserbetons, auf den im ersten Kapitel zum Thema „Bau eines Hafens“ ausführlich eingegangen wird. Dabei wird neben der Planung und der Vorbereitung für den Bau einer Hafenanlage auch mehrere bekannte Häfen der Antike, wie das von Alexander dem Großen gegründete Alexandria in Ägypten, Caesarea Maritima im heutigen Israel und Narbo Martius in Südfrankreich, beleuchtet. Im zweiten und dritten Kapitel, die sich dem Kampf gegen die Versandung und den Gezeitenkräften des Meeres widmen, spielen die Umwelteinflüsse von Wind und Wasser eine besondere Rolle. So war es bereits in der Antike notwendig, die vielen Hafenbecken regelmäßig von den Sedimenten zu befreien sowie Wellenbrecher und Mole, eine als Damm in das Meer ragende Aufschüttung, zu errichten, um die Hafenanlagen vor Flutwellen und Überschwemmungen zu schützen. Dem schließen sich auch die nachfolgenden Kapitel an, wobei in diesen im Einzelnen auf die verschiedenen Bautechniken bei der Errichtung von Kais, Lagerhäusern, Leuchttürme, Schiffswerften und Hellingen näher eingegangen wird. Zwei abschließende Kapitel, in denen außergewöhnliche Hafenkomplexe wie der Hafen von Leptis Magna (Libyen) und die gewaltige Hafenanlage von Portus Ostia (Italien) sowie ungewöhnliche Missionen der römischen Kriegsmarine im Fokus stehen, runden den gleichzeitig informativ und bildgewaltig gestalteten Bildband ab.

Nach den beiden vorherigen Publikationen „Metropolen der Antike“ (2019) und „Die Architekten des Imperiums“ (2020) ist mit „Häfen für die Ewigkeit“ ein weiter beeindruckender Bildband im wbg Philipp von Zabern Verlag erschienen, dem sich nicht nur aktuelle Erkenntnisse der archäologischen Forschung zur maritimen Ingenieurskunst der Römer entnehmen lassen, sondern auch mit rund 124 farbigen Illustrationen die technischen Errungenschaften der Römer auf eine Weise veranschaulicht, die man vielleicht nur noch von den Publikationen vom Engländer David Macaulay kennt. Die Fülle an Informationen, die von den farbenprächtigen Illustrationen unterstützt und bereichert werden sowie die qualitativ sehr hochwertige Verarbeitung der Publikation als Hardcover machen den Bildband zu einem wertvollen Geschenk für all jene Leser, die sich für die Antike, die Architektur und vor allem für die maritime Ingenieurskunst interessieren.

geschrieben am 20.11.2021 | 996 Wörter | 6058 Zeichen

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